Studio Equipment Test auf Soundsauna.de

Testseite für Pro-Audio Equipment


05.10.2009   


Soundcraft Spirit M12


Ein Preis-Leistungsschnäppchen? Oder vielleicht doch nicht?

Seit inzwischen einem Jahr steht in meinem Studio ein Soundcraft-Spirit M12. Genug Zeit um einen ausführlichen Testbericht über diese Pult zu schreiben...

Sehen wir uns mal die Ausstattung an. Was man bei diesem Mischpult für unter 600 Euro geboten bekommt ist meiner Meinung nach in dieser Preisklasse ungeschlagen: 12 Mono- und 4 Stereo Eingänge, in jedem Mono-Kanal Insert und schaltbaren DirectOut, 4 Aux-Wege pro Kanal, Master-, Kopfhörer- und Monitor-Ausgang, 2Track-Eingang regelbar, S/PDIF Out, ... Diese Menge an Features habe ich bei Mischpulten dieser Preisklasse bisher nur bei Behringer kennengelernt – dafür lässt hier bisweilen die Qualität zu wünschen übrig.
Doch wie sieht es bei dem Soundcraft-Spirit M12 aus? Nach einiger Zeit Arbeit mit dem Pult habe ich aber auch hier einiges entdeckt, was mich nicht begeistern konnte. Aber eines nach dem anderen!

Beginnen wir beim Gesamt-Layout des Pultes. Die Oberfläche des Soundcraft-Spirit M12 ist sehr schön aufgeräumt. Zwar ist im Bereich der Kabelanschlüsse bei Vollbestückung ein relatives Chaos vorzufinden, das schöner an der Rückseite des Pultes angebracht gewesen wäre, dafür muss man aber nicht immer hinter das Pult krabbeln um etwas umzustecken. Die Potis sind ebenso wie die Fader farblich gekennzeichnet was die Bedienung sehr einfach macht. Man kommt an alle Fader, Potis und Druckknöpfe angenehm ran und muss nicht mit Platzproblemen kämpfen. Eine Kleinigkeit an der ich mich immer wieder freuen kann ist der Kopfhöreranschluss, der sich rechts unten im Eck der Bedienoberfläche befindet. Ich finde es sehr schön, dass man nicht immer das Kopfhörerkabel über das ganze Pult schleifen muss, nur weil sich die Anschlussbuchse mitten drin befindet!
Jeder Mono-Kanal hat einen Mikrofon-Eingang als XLR female und einen Line-Eingang in Form einer symmetrischen Klinkenbuchse. Für die Mikrofon-Eingänge ist übrigens für alle Kanäle gemeinsam eine 48V-Phantomspannung schaltbar. Schön wäre hier eine Kanal- oder Gruppenweise Zuschaltung gewesen – in dieser Preisklasse jedoch übertriebener Luxus!
Außerdem gibt es in jedem Kanal eine grüne Signal- und eine rote Clipping-LED. Die einen werden jetzt sagen „Ui, toll! Das vermisse ich bei meinem Pult“, die anderen „So was doofes! Ich will mindestens eine Kette aus 5 LEDs pro Kanal!“. Ich persönlich finde es eine sehr schöne Kompromiss-Lösung über die man sich bei dem Preis nicht beschweren kann!
Schön ist außerdem das ansprechende Design und dass das Pult so flach ist. Außerdem ist es möglich das Mischpult in ein Rack zu schrauben. Die Rackschienen dafür sind von einer abgerundeten Aluminiumkante abgedeckt.
Viel mehr gibt es zum Layout vorerst nicht zu sagen.

Kommen wir also nun zur Bedienung. Jeder Mono-Kanal ist mit einem 3-Band-EQ mit semiparametrischen Mitten ausgestatten, bei den Stereo-Kanälen hat es nur für ein HF und ein LF Band gereicht, was ich ein bisschen sehr mager finde! Alle Potis lassen sich sehr angenehm regeln, sind jedoch ein bisschen wacklig geraten, da sie recht dünn und hoch sind und nicht mit der Mischpultoberfläche verschraubt sind. Für den rauen Live-Einsatz wäre das auf Dauer nichts – im Studio sollte es aber ausreichend sein. Ein weiteres Minus, was die Potis angeht gibt es für die Panoramerregler. Sie rasten nicht eindeutig in der Mitte ein, bzw. lassen sich in der Mittelstellung noch leicht hin und her wackeln, was eine Verschiebung des Audio-Signals aus der Mittelstellung zur Folge hat. Hier gilt es aufzupassen! Einen Pluspunkt gibt es dafür für die angenehm gleichmäßig regelnden Gain-Potis (die es übrigens auch in den Stereo-Kanälen gibt, wenn auch mit geringerer Verstärkung).
Die Fader sind sehr angenehm zu bewegen und laufen schön gleichmäßig. Für mein Gefühl sind sie einen Tick zu leichtgängig, aber darüber kann man sich streiten. Schön wäre allerdings eine optionale Verbindung zwischen den beiden Master Fadern gewesen, damit linker und rechter Kanal exakt gleich geregelt werden können, ohne, dass man höllisch darauf aufpassen muss.
In jedem Kanalzug gibt es standardmäßig einen Druckschalter für Mute und Pre-Fader-Listening (PFL). Diese lassen sich sehr angenehm bedienen. Hier gibt es aber ein ganz großes Minus: Weder für Mute noch für Solo gibt es eine LED! (Abgesehen von der kleinen LED über den Master Fadern, die leuchtet, sobald PFL irgendwo gedrückt ist.) Dass hier gespart wurde kann ich nicht nachvollziehen. Wenn in irgendeinem Kanalzug Mute oder PFL gedrückt ist, ist das kaum zu erkennen! Zusätzlich gibt es in den Mono-Kanalzügen einen Pre-/Post Schalter, der die DirectOuts. für jeden Kanal einzeln vor oder nach EQ und Fader schalten kann. Das ist eine sehr nützliche Funktion, jedoch wäre auch hier eine LED, die über den gerade gewählten Zustand informiert, schön gewesen! Was die DirectOuts angeht ist es jedoch außerdem sehr schade, dass sie nur unsymmetrisch ausgeführt sind.
In jedem Kanalzug sind außerdem 4 Aux-Wege, wobei 2 davon fest Pre-Fader und 2 fest Post-Fader sind. Das „Non plus Ultra“ wären natürlich schaltbare Aux-Wege gewesen. Aber wir wollen ja nicht vergessen in welcher Preisklasse wir uns befinden. Was ich allerdings vermisse (ich muss aber gestehen, dass ich das auch von keinem anderen Pult in dieser Größenordnung kenne) ist ein Stereo-Aux-Weg in den Stereo-Kanälen. So ist es leider nicht möglich ein an einem Stereo-Kanal anliegendes Audio-Signal auf den Monitor-Mix eines Musikers zu geben, ohne, dass es in ein Mono-Signal gewandelt wird. Das ist im Studio durchaus ein recht großes Defizit.
Außerdem sehr seltsam finde ich, dass die Aux-Returns nur als Cinch-Buchsen ausgeführt sind!
Ein schönes Feature ist der Stereo Insert-Weg, der vor dem Master-Out liegt. Was mir jedoch fehlt, um das M12 als Studio-Mischpult abzurunden, ist eine Talk-Back-Funktion! So, ich möchte mich jetzt nicht weiter über den Bedienumfang des Mischpultes auslassen – das kann ja schließlich jeder auf der Hersteller-Website selbst nachlesen.

Kümmern wir uns doch lieber mal um den Klang des Pultes – einem sehr wesentlichen Aspekt.
Die Preamps sind meiner Meinung nach sehr gut. Der Klang ist exzellent. Bei häufigem Vergleichshören kann man einen marginalen Unterschied zu den Preamps des RME-Fireface 800 (die wohl gemerkt ebenfalls sehr gute Preamps sind) feststellen. Die M12-Preamps sind nicht ganz so ehrlich und hochauflösend wie die Kollegen von RME, geben dem Audio-Signal aber einen Hauch mehr „Schönheit“. Das eingehende Signal wird dadurch ein klitzekleines bisschen runder und wärmer, als es eigentlich ist. Ein Effekt der mir sehr gut gefällt. Wenn ich allerdings einen wirklich färbenden Preamp haben möchte greife ich zu einer meiner Röhren :-)
Auch der EQ kann sich hören lassen. Er klingt einfach gut und nicht so sehr nach EQ wie bei vielen anderen günstigen Mischpulten – viel mehr lässt sich dazu nicht sagen! Schön wäre allerdings ein Bypass-Schalter für den EQ gewesen!
Sehr unschön ist allerdings ein teilweise sehr hohes Übersprechen innerhalb des Mischpultes. Wenn z.B. am Playback-Eingang ein Signal anliegt, der P/B-Regler aber komplett auf Minus Unendlich gedreht ist, ist auf der Abhöre trotzdem ein leises aber sehr stark zerrendes Signal zu hören. Das sorgt immer wieder für Verwunderung und kurzes Erschrecken, wenn man z.B. vergessen hat den CD-Player auszuschalten.
Auch der Master Output, sowie der Kopfhörerausgang sind leider auch nicht vollkommen frei von hörbaren Störgeräuschen!

FAZIT:

Das Soundcraft-Spirit M12 ist ein sehr schönes Mischpult, dass ich jedoch nicht bedingungslos empfehlen kann. Dass bei dem Preis an der einen oder anderen Ecke gespart werden musste war klar – ob nun an zu vielen Enden gespart wurde oder nicht muss jeder für sich selbst entscheiden. Man sollte sich jedoch bewusst sein, dass Mischpulte mit gleicher Klangqualität und Ausstattung, die die kleinen Macken des M12 nicht haben mindestens das Doppelte bis Dreifache des Soundcraft-Spirit M12 kosten! Es versteht sich von selbst, dass es bei einem Mischpult in dieser Preisklasse immer Kompromisse geben muss. Ich befürchte nur, dass hier zum Teil die falschen geschlossen wurden. Für den Live-Einsatz ist das Pult wohl kaum geeignet, weil es einen zu „sensiblen“ Eindruck macht.
Außerdem können Live die fehlenden LEDs für Mute und PFL schnell zum Chaos führen. Auch im Studio sind die fehlenden LEDs ein großes Manko – viel schlimmer sind hier aber die diversen Störgeräusche, z.B. durch Übersprechen erzeugt. Das ist im Studio einfach unverzeihlich. Auch die schlecht, oder nicht einrastenden Panorama Potis gehen im Studio eigentlich garnicht! Auf Dauer werde ich mich daher auch wieder von dem Pult trennen. Schade nur um die wirklich sehr guten Preamps! Auch Aux-Returns im Cinch-Format sind nicht besonders praxistauglich!

Pluspunkte:


Minuspunkte:





nach oben









Kontakt & Haftungsausschluss